14.05.2019

 

Diesen Wunsch habe ich schon seit langer Zeit: einmal ein Buch zu schreiben.

Schon viele Jahre bevor ich in Einfacher Sprache geschrieben habe, hat es die Buch-Idee gegeben.

Seit ich in Einfacher Sprache schreibe, habe ich gedacht:
Das Buch, das ich irgendwann schreibe, soll in Einfacher Sprache sein.

 

Es hat aber Zeiten gegeben, in denen ich nicht viel ans Buch-Schreiben gedacht habe. Ich habe mich mit anderen Dingen beschäftigt.

Das Buch habe ich nicht vergessen, aber der Gedanke war eher im Hintergrund.

Wenn ich doch darüber nachgedacht habe, hatte ich ein Problem. Ich wusste, dass ich einen Roman schreiben wollte. Aber ich hatte noch keine gute Idee für die Geschichte.
Worüber schreibe ich? Mit welchem Inhalt kann ich ein ganzes Buch füllen?

 

Ein Thema finden

Ich schreibe immer wieder Beiträge für meinen Blog. Dafür hatte ich schon viele Ideen. Die Blog-Texte sind allerdings eher kurz.

Für ein Buch muss man einen sehr langen Text schreiben. Da muss man über das Thema genau nachdenken:
Welches Thema interessiert mich so sehr, dass ich mich ganz ausführlich damit beschäftigen will? Wozu fällt mir vieles ein? Womit habe ich oder haben Menschen um mich herum Erfahrungen gemacht? Worüber möchte ich lang und gern erzählen?

 

Auf diese Fragen konnte ich erst einmal keine Antwort finden. So ist weiter Zeit vergangen. Aber ich habe gewusst: Das Thema muss passen. Ich muss das Thema mögen.

Ein Buch zu schreiben und zu veröffentlichen ist ein langer Prozess.

Es gibt vieles, was mich interessiert. Über manches davon weiß ich aber nicht gut genug Bescheid. Bevor ich anfangen kann zu schreiben, muss ich mich informieren. Ich muss mich in das Thema einarbeiten. Ich muss darüber lesen oder mit Menschen sprechen, die sich auskennen. Das kann lange dauern.

So einen langen Ablauf wollte ich für mein erstes Buch nicht haben. Ich wollte ein Thema finden, das mir leichtfällt. Ein Thema, bei dem ich gleich anfangen kann zu schreiben. Ohne lange Nachforschungen.

 

Und irgendwann war es dann da, „mein“ Thema. Ich kann gar nicht mehr sagen, wie genau ich darauf gekommen bin. Aber ich habe gespürt: Ja, das ist es. Das macht mir Freude. Dazu habe ich Ideen. Da kann ich eine Geschichte erzählen.

Im Moment möchte ich noch nicht viel über den Inhalt verraten. Nur so viel: Die Hauptperson ist eine Migrantin, 34 Jahre alt. Sie lebt seit 2 Jahren in Deutschland.

 

Eine ganze Geschichte schreiben

Ich hatte eine gute Idee für den Anfang. Mir ist auch eingefallen, wie es danach weitergehen soll. Ich habe vorausgedacht und überlegt, wie sich die Geschichte bis zum Ende ungefähr entwickeln kann.
Dabei hatte ich das Gefühl: Ja, so ist das gut. So kann ich es machen.

Ich habe also die Geschichte im Großen und Ganzen schon gekannt, als ich die ersten Seiten geschrieben habe. Die Einzelheiten habe ich mir aber erst nach und nach überlegt. Beim Schreiben hatte ich immer wieder Ideen.

 

Trotzdem habe ich Zeit gebraucht. Manchmal habe ich regelmäßig geschrieben, manchmal unregelmäßig. Zeitweise habe ich mehrere Tage hintereinander nichts geschrieben. An anderen Tagen dafür einige Stunden lang.

Grundsätzlich hat es mir große Freude gemacht, meine Geschichte immer weiter zu erzählen. Trotzdem war die Schreib-Arbeit manchmal mühsam.

Nicht immer hatte ich Lust, mich an den Computer zu setzen und zu schreiben.
Manches Mal hat es gedauert, bis ich die richtige Idee hatte, wie die Geschichte an dieser Stelle weitergehen soll. Ein anderes Mal hatte ich rasch eine Idee, konnte sie aber nicht sofort gut in Worten und Sätzen ausdrücken.

Außerdem musste ich beim Schreiben immer auf Einfache Sprache achten. Es ist vorgekommen, dass ich einen schönen Satz geschrieben oder einen guten Ausdruck gefunden habe. Später habe ich gedacht: Das ist nicht einfach genug. Das muss ich umschreiben.

 

Insgesamt habe ich ein paar Monate an dem Roman geschrieben.

Als er fertig war, war ich sehr froh: Eine richtige Geschichte, vom Anfang bis zum Ende erzählt. Stoff für ein ganzes Buch. Wunderbar.
Ich war glücklich mit meinem Werk.

 

Mit einem Verlag zusammenarbeiten

Man kann ein Buch selbst veröffentlichen. Dann muss man sich aber um alles selbst kümmern: Um passende Bilder, um einen schönen Buch-Umschlag. Um jemanden, der den Text durchliest und verbessert. Man muss dafür sorgen, dass das Buch gedruckt und verkauft wird. Und noch mehr. Vieles davon kostet Geld.

Ich habe gedacht: Das will ich nicht. Ich kenne mich im Buchgeschäft zu wenig aus. Ich muss mir alles einzeln und extra zusammensuchen. Nein, das mache ich nicht.
Ich möchte mit Fachleuten zusammenarbeiten und suche mir einen Verlag.

Außerdem ist es eine schöne erste Bestätigung, wenn ein Verlag ein Buch akzeptiert. Wenn jemand von außen, ein Profi im Bücher-Machen, sagt: Die Geschichte ist gut. Daraus machen wir ein Buch!

 

Ich habe meinen Text also an einen Verlag geschickt. Nach einiger Zeit habe ich diese Antwort bekommen:
Wir haben grundsätzlich Interesse, aber momentan leider keine Zeit. Wir haben gerade viel Arbeit mit anderen Büchern. Erst danach können wir den Text genau lesen und mehr dazu sagen.

Einerseits habe ich mich gefreut. Denn das war keine Absage. Andererseits war es aber auch noch keine Zusage.
Ich musste warten. Ohne zu wissen, wie lange es dauert.
Das ist mir schwergefallen.

Denn nach monatelanger Arbeit war mein Buch endlich fertig geschrieben. Und jetzt wollte ich am liebsten, dass alles schnell geht und der im Computer gespeicherte Text bald ein richtiges Buch wird. Ein Buch, das man in die Hand nehmen, kaufen und lesen kann.

Aber natürlich wusste ich auch: Die Verlagsmitarbeiter haben viel zu tun. Sie haben nicht auf mich und mein Buch gewartet. Ich muss jetzt Geduld haben, bis mein Text an der Reihe ist. Und hoffen, dass der Verlag wirklich zusagt und das Buch veröffentlichen will.

Und irgendwann war es dann soweit. Endlich!! Die Verlegerin hat mir geschrieben, dass sie das Buch mit mir zusammen machen will! Darüber habe ich mich sehr gefreut. Das Warten hatte sich gelohnt. Ich hatte das nächste Teil-Ziel erreicht.

 

Ein Vorlektorat machen

Der nächste Schritt war nun das Vorlektorat.

Was bedeutet das? Eine Lektorin arbeitet für den Verlag. Sie liest den Text, findet Fehler und überlegt, was man besser machen kann. Das schreibt sie der Autorin. Die Autorin überarbeitet den Text.
Durch die Zusammenarbeit von Lektorin und Autorin wird der Text noch besser.

 

[Natürlich gibt es auch männliche Autoren und Lektoren. Ich verwende hier die weibliche Form, weil in diesem Fall Frauen gemeint sind.]

 

Ich selbst kenne meinen Text und meine Geschichte gut. Die Lektorin liest den Text aber zum ersten Mal. Dadurch fallen ihr Dinge auf, die ich selbst nicht bemerke.

Wenn sie Fehler findet oder Fragen hat, schreibt sie das in den Text oder an den Rand. Wenn eine Sache zu lange oder zu wenig erklärt wird, macht sie mich darauf aufmerksam. Wenn ein Wort ihr zu schwer vorkommt für Einfache Sprache, streicht sie das Wort an.

Diese Arbeit braucht Zeit.

 

Wieder musste ich warten. Dabei hatte ich gemischte Gefühle.
Auf der einen Seite war ich froh, dass eine Lektorin sich mit meinem Text beschäftigt. Denn ich wusste: Die Lektorin unterstützt mich. Wir arbeiten zusammen an meinem Buch. Wir beide wollen, dass es ein gutes Buch wird.

Auf der anderen Seite hatte ich auch ein bisschen Angst.
Bevor ich den Text zurückbekommen habe, wusste ich nicht: Wie viele Änderungen will die Lektorin haben? Verbessert sie ganz viel? Und vor allem: Sind es kleine Verbesserungen oder große? Möchte sie vielleicht ganze Kapitel wegstreichen oder den Aufbau der Geschichte verändern? Ist es am Ende noch „meine“ Geschichte?

Schließlich habe ich den Text zurückbekommen. Und ich konnte aufatmen: Es war noch eindeutig meine Geschichte!
Meine Idee, mein Aufbau, meine Erzählung waren noch gut zu erkennen.

Die Lektorin hatte viele Anmerkungen gemacht, aber es ging um Kleinigkeiten. Vieles war hilfreich für mich. Ich konnte verstehen, warum sie nachgefragt hat oder warum sie bestimmte Stellen anders haben wollte. Zum Teil hat sie Vorschläge gemacht. Ich konnte entscheiden, ob ich ihren Vorschlag übernehme oder mir etwas anderes einfallen lasse.
An einigen Stellen habe ich selbst noch einmal nachgefragt, wenn ich ihre Anmerkung nicht genau verstanden habe. Oder ich habe erklärt, warum ich etwas so und nicht anders geschrieben habe.

Es war eine angenehme Zusammenarbeit. Wir waren im Austausch miteinander. Jeder konnte seine Meinung sagen. Keiner war stur und unnachgiebig. Schließlich konnten wir uns gut auf die neue Text-Fassung einigen.

 

Einen Vertrag unterschreiben

Nach dem Vorlektorat kam dann ein besonderes Ereignis:
Die Verlegerin hat einen Vertrag gemacht, den wir beide unterschrieben haben.
Damit habe ich es Schwarz auf Weiß: In ein paar Monaten kommt mein erstes  Buch heraus!
In diesem Jahr im Herbst ist es soweit: Ich halte mein Buch in den Händen.
Und hoffentlich nicht nur ich, sondern auch viele Leser und Leserinnen!

 


 

Im Moment ist der Buch-Text wieder beim Verlag. Nach dem Vorlektorat gibt es jetzt noch ein zweites Lektorat. Eine zweite Lektorin arbeitet mit mir an meinem Text.

Darüber und über die folgenden Schritte schreibe ich im zweiten Teil des Artikels. Ich möchte ihn schreiben, wenn das Buch gedruckt und veröffentlicht ist.

Dann erfahrt ihr natürlich alles Wichtige: wie der Roman heißt, worum es in der Geschichte geht und welcher Verlag das Buch veröffentlicht hat.

 

 

[Beitragsbild von congerdesign (über pixabay)]