Ein Gruppen-Gespräch

01.06.2017

 

Politik hat viel mit unserem Leben zu tun.

Politik ist interessant, aber oft schwer zu verstehen.

Darum ist es wichtig, dass man die Themen, Regeln und Zusammenhänge in der Politik möglichst gut kennt.

 

Es gibt eine Heft-Reihe, die beim Verstehen hilft.

Die Heft-Reihe heißt „einfach POLITIK“.

Wolfram Hilpert ist verantwortlich für die Hefte. Er beschreibt die Hefte so:

 

„Die Hefte sind in einfacher Sprache geschrieben.

Die Sätze sind kurz.

Texte und Bilder sind so gemacht,

dass sie gut gesehen und verstanden werden können.

Sie sind geeignet für jeden,

der sich gut und einfach informieren möchte.“

 

Dorothee Meyer schreibt mit drei anderen Frauen den Text für die Hefte.

Ich wollte zuerst mit ihr alleine über diese Arbeit sprechen. Sie hat mir gesagt: Es sind noch andere dabei. Gemeinsam können wir mehr erzählen.

Das haben wir dann auch so gemacht. Fünf Personen haben auf meine Fragen geantwortet.

 

Besonders spannend ist für mich:

Es geht um politische Themen. Aber es geht auch um sehr viel mehr. Alle, die mitmachen, können viel erleben und viel lernen.

 

Davon sollen meine Interview-Partner aber selbst erzählen.

Es sind Sarah Dreyer, Wolfram Hilpert, Liza HoletzekMia Lücke und Dorothee Meyer.

 

Dorothee Meyer arbeitet an der Leibniz Universität Hannover.

Sie leitet dort die Seminar-Gruppe „Gemeinsam Lernen“.
Das Besondere daran ist, dass in der Seminar-Gruppe Inklusion ausprobiert werden kann:

Inklusion bedeutet:

In der Gruppe lernen behinderte und nicht behinderte Menschen gemeinsam.

 

Inklusion in der Gruppe bedeutet aber auch das gemeinsame Lernen

  •         von älteren und jüngeren Leuten,
  •         von Männern und Frauen
  •         oder von Berufstätigen und Studierenden
  •         oder von Menschen, die gerne Laufspiele spielen und Menschen, die lieber auf ihrem Stuhl sitzen.

Das alles sind Beispiele aus der inklusiven Seminar-Gruppe.

 

Das Thema im Seminar ist Demokratie* und politische Mitbestimmung.

 

Sarah Dreyer, Mia Lücke und Liza Holetzek arbeiten auch in diesem Seminar mit. Bettina Lindmeier hatte die Idee für diese Seminare.

 

 

Wolfram Hilpert arbeitet bei der Bundeszentrale für politische Bildung.

Man kann auch kurz bpb sagen.

Wolfram Hilpert und seine Kollegen machen Bücher, Hefte, Internet-Seiten, Veranstaltungen und Videos.

 

Damit wollen die Leute von der bpb den Menschen helfen, Demokratie* zu verstehen.

Damit wollen die Leute von der bpb den Menschen erklären, wie Politik funktioniert.

Viele Menschen sollen sich in der Politik auskennen und mitarbeiten können.

 

 


 

Das waren die wichtigsten Informationen über meine Gesprächspartner.

Hier ist nun unser Gruppen-Interview:

 

[Ein Hinweis: Ein unterstrichenes Wort mit Sternchen* bedeutet: Am Ende vom Text steht zu diesem Wort eine Erklärung.]

 

 

Frau Meyer und Frau Lücke, bitte erzählen Sie etwas mehr über die Seminar-Gruppe. Vor allem darüber, wie man sich die Inklusion in der Gruppe vorstellen kann?

 

Dorothee Meyer:

An dem Seminar nehmen zum einen Studentinnen und Studenten teil.
Sie wollen später mit behinderten Menschen arbeiten.
Viele wollen Lehrerin oder Lehrer werden.

Außerdem sind bei diesem Seminar auch behinderte Menschen dabei. Sie studieren sonst nicht an der Universität.
Die meisten arbeiten in Werkstätten für behinderte Menschen.
Sie besuchen das Seminar, weil sie sich dafür interessieren.

Im Seminar lernen alle gemeinsam.

Alle sind Teil der inklusiven Gruppe.

Es geht darum, Inklusion einmal auszuprobieren.

 

Mia Lücke:

Politik ist dazu ein gutes Thema.

Politik geht alle etwas an. Es gibt viele Themen, die mit Politik zu tun haben.

Außerdem haben fast alle aus der Seminargruppe das Gefühl, sie wissen zu wenig über Politik.

 

 

Welche Erfahrung haben Sie damit gemacht? Was bringt es den Studentinnen und Studenten, wenn Menschen mit und ohne Behinderung zusammen arbeiten?

 

Dorothee Meyer:

Wir hoffen, dass die Studierenden lernen:

Alle können einen Beitrag leisten.

Jemand, der im Werkstattrat ist, kann viel besser darüber berichten als jemand, der vom Werkstattrat nur in einem Buch gelesen hat.

 

Vielleicht lernen die Studierenden auch:

Inklusion heißt nicht: Alle machen das Gleiche.

Im Seminar sollen sie lernen: Man kann zusammen in einer Gruppe arbeiten und jeder lernt dabei etwas anderes.

Jeder lernt das, was für ihn gerade wichtig ist.

 

Vielleicht können die Studierenden auch lernen:

Es ist in Ordnung, wenn ich zugebe, dass ich Hilfe brauche.

Das lernen sie in den normalen Uni-Seminaren nicht immer.

Vielleicht können sie auch später im Studium noch über Inklusion nachdenken.

Oder sie lernen: Auch ich kann später mit einer inklusiven Gruppe arbeiten.

 

 

Wie hat die Zusammenarbeit zwischen der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) und der Leibniz Universität Hannover angefangen?

 

Wolfram Hilpert:

Ich habe 2015 einen Kongress in Berlin organisiert.

Auf einem Kongress treffen sich viele Personen. Sie reden dabei über ein bestimmtes Thema.

 

Auf dem Kongress in Berlin wurde darüber gesprochen:

Was brauchen Menschen mit Lernschwierigkeiten, um mehr über Politik zu erfahren.

Und wie können sie gut mit Menschen ohne Behinderung zusammen etwas über Politik lernen und auch Politik machen.

 

Ich habe Frau Meyer und ihr Team zum dem Kongress eingeladen.

Sie haben auf dem Kongress über die Seminare erzählt.

 

Frau Meyer und ich haben uns dann auf dem Kongress bei einem Kaffee

über die Seminare „Gemeinsam Lernen“ unterhalten.

Und auch über die Hefte „einfach POLITIK “.

Wir haben miteinander geredet und so ist unsere Zusammenarbeit entstanden.

 

 

Das sind die Titel der bisherigen Hefte aus der Reihe „einfach POLITIK“:

 

–         Europa

Dieses erste Heft haben andere Leute geschrieben.

Alle Hefte danach hat Herr Hilpert gemeinsam mit Frau Meyer und ihrer Gruppe gemacht:

–         Flucht und Asyl (Mehr über dieses Heft kann man hier nachlesen.)

–         Das Grundgesetz. Über den Staat

–         Das Grundgesetz. Die Grundrechte

 

Ein Heft ist ganz neu und ganz aktuell:

–         Bundestagswahl 2017.

Dazu gibt es auch ein Plakat.

 

Wer wählt die Themen für die Hefte aus?

 

Wolfram Hilpert:

Ich suche die Themen aus.

Mich interessiert aber auch immer, was meine Kolleginnen und Kollegen,

zum Beispiel Frau Meyer, über die Themen denken.

 

 

Wie sieht Ihre Zusammenarbeit aus, wenn ein neues Heft für die Reihe „einfach POLITIK“ entsteht?

 

Sarah Dreyer:

Den Text schreiben wir an der Uni in Hannover als Team.

Wir sprechen zuerst mit Herrn Hilpert über das Heft.

Dann machen wir einen ersten Entwurf.

 

Der Entwurf wird noch ganz oft überarbeitet.

Da machen auch die Leute aus dem Seminar mit.

  • Wer Interesse hat, kann im Seminar kontrollieren,
    ob der Text verständlich ist.
  • Manche lesen auch einen Teil des Textes zu Hause und verbessern ihn.
  • Manche sagen auch, wenn ihnen ein Thema fehlt.
  • Wir suchen manchmal gemeinsam die Bilder oder die Überschriften aus.
  • Manchmal schreiben auch Kleingruppen eigene Texte zu einem Thema.

 

Es gibt keinen festen Ablauf.
Jeder aus dem Seminar kann so mitmachen, wie es ihm gefällt.

 

 

In der Seminar-Gruppe schreiben Sie in leicht verständlichem Deutsch über politische Themen. Dazu müssen Sie selbst gut über die Themen Bescheid wissen. Woher holen Sie sich die Informationen?

 

Liza Holetzek:

Das ist tatsächlich viel schwerer, als wir vorher dachten.
Wir haben beim Schreiben der Hefte sehr viel über Politik gelernt.

 

Vorher haben wir einen Text in schwerer Sprache. In dem Text steht schon einmal viel, was wir für ein neues Heft wissen müssen.

Den Text schreibt Bettina Zurstrassen. Frau Zurstrassen ist Professorin an der Universität in Bielefeld. Sie weiß viel über Politik.

Dann lesen wir auch selbst auf Internetseiten oder in Büchern nach.

 

Zwischendurch und besonders am Ende tauschen Herr Hilpert und Frau Meyer sich immer wieder aus.

Herr Hilpert weiß am meisten über Politik,
Frau Meyer kann gut zuhören und einfach formulieren.

Gemeinsam überlegen sie, wie man es sowohl verständlich als auch richtig ausdrücken kann.

 

Sarah Dreyer:

Frau Holetzek, Frau Lücke und ich treffen uns oder telefonieren auch immer wieder mit Interessierten aus dem Seminar „Gemeinsam Lernen“.

Wir gehen dann den Text immer wieder durch und überlegen: Ist der Text verständlich?

 

 

 Welcher Teil der Arbeit dauert am längsten?

 

Sarah Dreyer:

So genau kann man das nicht sagen. Es ist insgesamt viel Arbeit.

Wir wundern uns jedes Mal, wie sehr sich die Texte später noch verändern.

Oder wie oft wir einzelne Abschnitte nochmal neu schreiben.

 

 

Hat es bisher einmal ein Fachwort oder ein Fachgebiet gegeben, bei dem Sie gedacht haben: Das ist besonders schwer in Einfacher Sprache zu schreiben?

 

 

Liza Holetzek:

Im Heft über die Bundestagswahl 2017 haben wir versucht zu erklären:

Was sind Ausgleichs- und Überhangmandate?

Diese Erklärung ist noch ein bisschen zu schwer. Wir haben es aber nicht einfacher hinbekommen.

 

Wir wollten es aber auch nicht weglassen.

Der Grund ist:

Viele Leute, die sonst auch schwere Sprache verstehen, wissen nämlich auch nicht genau, was Ausgleichs- und Überhangmandate sind.

 

 

Möchten Sie noch etwas über Ihre Arbeit an den Heften erzählen? Ist Ihnen noch etwas wichtig?

 

Wolfram Hilpert:

Das Geheimnis unserer Zusammenarbeit ist, dass Frau Meyer und ich nicht so schnell sagen: Das Heft ist gut und kann so bleiben.

Wir arbeiten lange gemeinsam an einem Heft, überarbeiten es oft und sind nicht schnell zufrieden.

 

Wenn Frau Meyer mir einen Text schickt, dann sage ich häufig:

Das ist gut und einfach ausgedrückt. Aber man muss noch mehr erklären, damit es sehr gut ist.

 

Und wenn ich zum Beispiel Frau Meyer ein Bild schicke, dann sagt sie häufig:

Das ist gut, aber wenn man das Bild ein wenig anders macht, dann kann man es noch besser verstehen.

 

So wird das Heft durch die gute Zusammenarbeit immer besser.

Uns macht es sehr viel Spaß, so genau über ein Thema nachzudenken.
Und zu überlegen, wie kann ich ein Thema verständlich erklären.

 

Dorothee Meyer:

Es gibt noch etwas, was uns beiden wichtig ist:

Wir beiden finden gut, wenn zum Beispiel in dem Seminar „Gemeinsam Lernen“ Studentinnen und Menschen mit Lernschwierigkeiten sagen:

Wir haben durch das Heft etwas Neues gelernt.

 

Herr Hilpert und ich finden es gut, dass das Heft nicht nur für eine Gruppe gedacht ist. Sondern für alle, die sich gut und einfach informieren wollen.

 

 

Planen Sie noch mehr Hefte in der Reihe „einfach POLITIK“?

 

Dorothee Meyer:

Im Moment arbeiten wir gerade am Heft

„Einmischen. Mitbestimmen. Über das Mitmachen in der Demokratie*“.

Die bpb druckt das Heft noch in diesem Jahr.

 

 


 

 

Wort-Erklärung:

Demokratie:

Das Wort kommt aus der griechischen Sprache. Es bedeutet: „Herrschaft des Volkes“. Das Volk sind alle Bürger und Bürgerinnen.

In der Demokratie entscheidet das Volk durch Wahlen und Abstimmungen.

Mehr darüber steht in: einfach POLITIK: Das Grundgesetz. Über den Staat.

 

 

Ich bedanke mich ganz herzlich bei meinen Interview-Partnern!

Das Gespräch hat mir deutlich gemacht:

 

Politik so beschreiben und erklären, dass man sie gut verstehen kann:

Das ist harte Arbeit. Das braucht Zeit. Da müssen mehrere Leute mitarbeiten.

 

Aber die Arbeit lohnt sich.

Denn das Ergebnis sind schön gemachte Hefte, die man gern zur Hand nimmt.

Das Ergebnis sind Hefte, die verständliche Information geben.

Das Ergebnis ist: Mehr Menschen verstehen Politik besser. So können sie sich leichter eine Meinung bilden und mit anderen über Politik sprechen. Sie können besser mitmachen, zum Beispiel bei Wahlen.

 

  • Wer ein Heft aus der Reihe „einfach POLITIK“ bestellen will, kann das hier tun.

 

 

 

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[Beitragsbild von Dorothee Meyer]