11.02.2018

 

Kennst du das? Du weißt etwas über jemanden. Mit diesem bisschen Wissen denkst du: Ich weiß noch mehr über diesen Menschen, über seine Eigenschaften oder Vorlieben.

Das kann stimmen. Das kann aber auch falsch sein.

 

Ein Beispiel:

Du weißt von einer Frau, dass sie Hebamme ist und die Partei „Die Grünen“ wählt. Dann denkst du: Wahrscheinlich hat sie selbst Kinder und trägt eher lässige und bequeme Kleidung.

Du erfährst: Die Frau hat keine Kinder und ist modisch-elegant gekleidet. Deine Vermutung war falsch.

 

Das ist manchmal gar nicht schlimm. Wir vermuten etwas und bemerken später: Das stimmt nicht. Meistens passiert dann nichts Besonderes.

Es kann aber sein, dass wir uns zu schnell eine Meinung bilden. Dass wir den anderen zu früh einordnen und nicht merken, wie er wirklich ist.

 

Ich möchte mich immer wieder daran erinnern:

Menschen sind vielseitig. Menschen können uns überraschen. Menschen sind interessanter oder unterschiedlicher, als wir manchmal meinen.

 

Ich finde an mir selbst einige Beispiele dafür:

 

Natürlichkeit gefällt mir. Trotzdem färbe ich mir die Haare.

Ich kenne einige Frauen, denen graue oder weiße Haare sehr gut stehen. Irgendwann werde auch ich mich von den dunklen Haaren verabschieden und das Grau akzeptieren.

 

Ich habe ein Kind. Trotzdem backe ich nie Muffins.

Wenn ich backe, gibt es „normalen“ Kuchen.

 

Es gibt einige Menschen, zu denen ich auch über eine größere Entfernung Kontakt halten will. Trotzdem mag ich keine langen Telefonate.

Lieber habe ich persönliche Treffen, Mails, SMS, Karten – oder KURZE Telefonate 🙂 .

 

Wärme und Licht tun mir gut. Trotzdem komme ich im Winter mit dem trüben Wetter und mit dem kürzeren Tageslicht zurecht.

Wenn ich in der Natur bin, finde ich in jeder Jahreszeit Schönheit. Außerdem mache ich es mir gern zu Hause gemütlich, und das geht im Winter besonders gut.

 

Ich liebe die Natur und bin gern draußen. Trotzdem übernachte ich – auch im Sommer – nicht gern im Freien oder im Zelt.

In einem Gebäude und in einem Bett komme ich besser zur Ruhe und fühle mich geschützter.

 

Ich spreche im Urlaub gern Fremdsprachen. Trotzdem verreise ich oft innerhalb von Deutschland oder Österreich.

Ich bin neugierig, wann ich das nächste Mal ins fremdsprachige Ausland fahre. Dieser Tag kommt bestimmt.

 

Ich interessiere mich für Politik. Trotzdem lese oder höre ich unregelmäßig Nachrichten und weiß über manches nur wenig Bescheid.

Manchmal sind mir andere Dinge wichtiger und ich verwende meine Zeit lieber dafür. Andererseits gibt es auch politische Themen, über die ich viel wissen will. Dann nehme ich mir mehr Zeit dafür.

 

Ich bin in Diskussionen manchmal zurückhaltend. Ich habe nicht das Bedürfnis, mich zu jedem Thema zu äußern. Trotzdem ist es mir in bestimmten Situationen wichtig, meine Haltung zu zeigen und meine Meinung zu sagen:

Zum Beispiel dann, wenn mit Worten oder mit Taten die Würde von Menschen verletzt wird. In solchen Situationen nehme ich Stellung und halte es auch aus, mit meiner Meinung alleine zu sein.

 

Ich miste regelmäßig Dinge aus und verschenke sie. Trotzdem habe ich zu viele Sachen.

Ich glaube: Es ist ein längerer Prozess, bis man das passende Maß erreicht hat. Bis man möglichst nur noch die Sachen besitzt, die man regelmäßig verwendet oder die man mag.

 

 

Ich bin so. Und ich bin auch anders.

Ich glaube, bei dir ist es ähnlich. Und bei anderen Menschen.

Menschen sind vielseitig und manchmal auch widersprüchlich.

 

Lass uns nicht zu schnell vermuten und bewerten.

Lass uns genau hinschauen und vielleicht nachfragen.

Lass uns die Menschen in ihrer Vielfalt und Buntheit sehen.

 

Wo bist du „so und gleichzeitig anders“? Möchtest du uns im Kommentarfeld ein Beispiel geben? Ich bin gespannt darauf.

 

 

[Beitragsbild von stux (über pixabay)]