29.07.2018

 

Ein anderer hat eine bestimmte Erwartung an mich.

Dass ich mich auf eine bestimmte Weise verhalten soll.

Dass ich das eine tun oder das andere lassen soll.

Dass ich es ihm recht machen soll.

 

Es gibt Forderungen, die jemand ausspricht. Vielleicht als höfliche und vorsichtige Bitte. Vielleicht als ärgerliches oder vorwurfsvolles Kommando.

Es gibt Forderungen, die niemand ausspricht. Aber ich spüre die Erwartung trotzdem.

 

Manchmal merke ich: Diese Bitte oder Erwartung ist berechtigt. Ich kann sie verstehen. Ich finde es passend und wichtig, dem anderen entgegenzukommen.

 

Aber manchmal spüre ich auch ein deutliches inneres Nein.

Die Forderung – ausgesprochen oder unausgesprochen – belastet mich.

Ich kann oder will nicht so sein, wie der andere es sich wünscht.

Ich kann oder will nicht tun, was der andere sich vorstellt.

 

Was mache ich dann?

 

Für mich ist der folgende Umgang damit hilfreich:

 

Ich entspanne mich erst einmal. Oder versuche es. 😉

Ich lasse die Forderung erst einmal Forderung sein. Ich muss nicht sofort reagieren.

Dann überlege ich in Ruhe: Wie möchte ich mich verhalten?

 

Es kann sein, dass ich die Sache mit mir selbst kläre. Dass ich den anderen gar nicht anspreche.

Ich distanziere mich innerlich. Ich erkenne das Anliegen des anderen und lasse es auf mich wirken. Gleichzeitig lasse ich es bei ihm. Es ist sein Anliegen, nicht meins. Ich suche meine Meinung, meine Position dazu.

Ich muss nicht tun, was er von mir will. Vielleicht tue ich es teilweise, vielleicht auf andere Weise als erwartet. Vielleicht gar nicht.

Ich erlaube mir, selbst zu entscheiden: Ich tue es oder ich lasse es. Beides darf sein. Beides ist in Ordnung.

 

Zuerst nach innen spüren und klären: Was ist los? Was stört und bedrückt mich? Was brauche ich? Was ist da jetzt mein Weg?

Dann so mit der Sache umgehen, wie es für mich richtig ist.

Und schließlich innerlich einen Punkt machen. Weitergehen.

 

Manchmal ist es sinnvoller, das nicht nur in Gedanken zu tun. Manchmal ist es besser, das Gespräch zu suchen.

Ich sage dem anderen klar, was ich nicht machen will oder kann.

Vielleicht möchte ich im Gespräch auch Verständnis für den anderen und seinen Standpunkt zeigen. Vielleicht möchte ich mein Bedauern darüber ausdrücken, dass ich ihm nicht entgegenkommen kann.

Trotzdem bleibe ich bei meinem Standpunkt.

Vielleicht habe ich auch kein Verständnis und kein Bedauern.

 

In jedem Fall darf ich Nein sagen.

Ich sage deutlich, was für mich nicht geht und nicht passt.

Vielleicht möchte ich mein Nein erklären. Vielleicht auch nicht.

Ich muss mich nicht entschuldigen und nicht rechtfertigen.

 

Beides geht: Den anderen ernst nehmen und mich selbst ernst nehmen.

Den anderen und sein Anliegen wahrnehmen.

Mich mit meinen Bedürfnissen, Möglichkeiten und Grenzen wahrnehmen.

 

Den anderen nicht angreifen.

Für mich entscheiden. Für mich sprechen.

Bei mir bleiben.

Weitergehen.

 

 

[Beitragsbild von johnhain (über pixabay)]