19.05.2017

 

Immer wieder passiert es: Irgendetwas geht kaputt.

Ein Handy, ein elektrisches Küchengerät, ein Teller, eine Fensterscheibe, ein Auto, ein Möbelstück …

 

Einmal ist mir der Griff von meiner Teekanne abgebrochen. Ich habe die Kanne gerade in der Hand gehalten. Zum Glück war kein heißer Tee in der Kanne.

Vor einiger Zeit war mein Auto kaputt. Der Weg zur Arbeit mit dem Bus und zu Fuß dauert dreimal so lang und ich muss eine ziemlich schwere Tasche tragen. Das ist umständlich und anstrengend.

Jetzt gerade ist unser Geschirrspüler kaputt. Natürlich kann man das Geschirr mit der Hand spülen. Aber es dauert es länger und ich finde es mühsam.

 

Wenn etwas kaputtgeht, ist das lästig. Man muss eine Weile ohne diesen Gegenstand auskommen. Oft muss man dann mehr Zeit einplanen.

Für eine Reparatur oder für einen neuen Gegenstand muss man Geld ausgeben. Manchmal muss man zuerst herausfinden, wer helfen kann oder wo man ein neues Gerät bekommt.

 

Solche Störungen sind ärgerlich. Sie kosten Zeit, Nerven und Geld.

Ich mag so etwas gar nicht. Ich habe doch schon genug zu tun. Ich will nicht Reparaturen organisieren, Kataloge anschauen oder Modelle und Preise vergleichen.

 

Und doch weiß ich auch: Manchmal kann es ein Gewinn sein, wenn etwas kaputtgeht.

Wie das?

Drei Punkte sind mir dazu eingefallen.

 

 

1) Wertschätzung und Dankbarkeit fühlen

 

Ich merke wieder einmal: Nicht hält ewig. Nichts ist selbstverständlich. Die Lebensdauer von Dingen ist begrenzt.

 

Ich merke dann aber auch: Etwas ist kaputt, aber vieles funktioniert.

Der Geschirrspüler läuft nicht. Ärgerlich, ja.

Aber ich freue mich jeden Morgen auf meinen Kaffee. Meine Kaffeemaschine funktioniert.

Ich weiß auch, wie es ist, wenn die Waschmaschine kaputt ist. Sehr unangenehm. Unsere Waschmaschine läuft momentan problemlos.

Genauso mein Laptop. Sonst könnte ich diesen Text nicht schreiben.

 

Und ich merke: Wenn man eine Zeitlang auf etwas verzichten musste und es schließlich reparieren oder ersetzen kann: Dann weiß man den Gegenstand ganz neu zu schätzen.

Denn es ist nicht normal, dass immer alles funktioniert. Es ist genauso normal, dass Sachen kaputtgehen.

 

Wertschätzung für alles, was mir das Leben erleichtert. Dankbarkeit für alles, was gut funktioniert: Das kann ein Gewinn für mich sein.

 

 

2) Klarheit bekommen: Was brauche ich wirklich?

 

Ich kann mich auch fragen:

 

Kann ich einen Gegenstand trotzdem noch gut verwenden, auch wenn ein Stück davon fehlt?

Kann ich ein Ding durch ein anderes Ding ersetzen?

 

Kann ich auf etwas ganz verzichten? Was fehlt mir gar nicht richtig, wenn es weg ist? Was brauche ich gar nicht unbedingt?

 

Vielleicht sind das Gegenstände, die ich geschenkt bekommen habe. Oder der Partner hat Dinge mitgebracht, als ich mit ihm zusammengezogen bin. Dann kann es auch sein, dass man einiges doppelt hat.

Vielleicht habe ich etwas bei einem Freund oder in der Werbung gesehen. Es hat mir gefallen und ich wollte es auch haben. Erst später habe ich gemerkt: Das brauche ich nicht.

 

Wenn ich zwei Teekannen habe, finde ich es nicht schlimm, wenn eine kaputtgeht. Ich muss sie nicht ersetzen. Eine Teekanne reicht mir.

 

Ich lebe sehr gut ohne Mikrowelle und ohne elektrische Zahnbürste. Das sind Dinge, die ich nicht brauche.

 

Auch so kann es sein: Jemand hat schon früher darüber nachgedacht, ob er auf sein Auto verzichten könnte. Er würde gern ausprobieren, ob es auch so geht: Nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln, mit dem Fahrrad und ab und zu mit dem Taxi fahren.

Und dann ist sein Auto kaputt. Das kann der richtige Zeitpunkt sein, den Versuch zu machen: Ohne Auto auszukommen. So kann man feststellen: Für mich geht das. Oder es geht nicht.

 

Ich  kann es mir momentan ohne Auto nicht vorstellen.

Das kann aber in ein paar Jahren anders sein.

Als ich früher in der Großstadt und allein gelebt habe, hatte ich kein Auto. Und damals habe ich es auch nicht vermisst.

 

Für jeden sind andere Dinge wichtig. Das hängt von vielem ab.

Aber es lohnt sich nachzudenken:

 

Manche Dinge brauchen viel Platz und viel Pflege.

Manche Dinge brauchen viel Strom und kosten viel Geld.

Manche Dinge sind schlecht für die Gesundheit oder für die Umwelt.

 

Was habe ich und verwende es selten oder gar nicht?

Kann es mein Leben sogar einfacher machen, wenn ich etwas nicht mehr nachkaufe?

Kann es mich befreien, wenn weniger Zeug um mich herum ist?

 

Kann ich Gegenstände, die groß oder teuer sind, mit anderen teilen?

(Zum Beispiel: Es ist möglich, einen Wäschetrockner mit anderen Mietern zusammen zu kaufen. Es ist machbar, einen Rasenmäher mit den Nachbarn zusammen zu benutzen.)

 

Wenn ich so überlege, bekomme ich mehr Klarheit:

Ich weiß dann besser, was ich brauche und auf was ich verzichten kann.

Ich bemerke, was mir guttut und was mich belastet.

 

 

3) Neu entscheiden: Was ist mir heute beim Kaufen wichtig?

 

Wenn ich etwas doch noch einmal kaufe, kann ich neu entscheiden.

Vielleicht achte ich jetzt auf andere Dinge als beim letzten Mal.

Vielleicht gibt es inzwischen neue Geräte, die anders oder besser funktionieren als die alten.

Vielleicht ist es mir jetzt besonders wichtig, dass ein Gerät die Umwelt wenig belastet. Und ich zahle dafür auch mehr Geld. (Wenn ich genug Geld habe.)

Oder ich habe gemerkt: Der Bildschirm vom alten Handy ist mir zu klein. Da kann man die Schrift nicht groß genug einstellen. Ich kann jetzt kleine Buchstaben nicht mehr gut lesen. Das neue Handy soll einen größeren Bildschirm haben.

 

Ein Gewinn kann es also für mich auch sein, dass ich mich neu entscheiden kann.

Früher habe ich teilweise auf andere Dinge geachtet. Bei meiner neuen Entscheidung kann ich auf das achten, was heute für mich wichtig ist.

 

 


 

Ich wünsche mir trotzdem nicht, dass etwas kaputtgeht.

Aber ich weiß auch: Etwas Schlechtes kann gleichzeitig auch etwas Gutes mit sich bringen.

Auch wenn etwas kaputtgeht, kann mir das etwas nützen.

Auch eine Schwierigkeit kann ein Gewinn sein.

 

 

 

Wie geht es dir mit diesen Gedanken?

Haben kaputte Dinge dir schon einmal Gutes gebracht?

 

 

[Beitragsbild von bykst (über pixabay)]