22.04.2018

 

1. Einfache Sprache kann zu Barrierefreiheit und Inklusion beitragen.

 

Einfache Sprache ist entstanden, weil man an bestimmte Gruppen von Menschen gedacht hat:

Das sind zum Beispiel

  • Menschen, die noch nicht oder nicht mehr gut genug lesen können
  • Menschen, die wenig Übung im Lesen haben
  • Menschen, die Deutsch als Fremdsprache lernen
  • Personen mit einer (starken) Hörbehinderung oder Sehbehinderung
  • Personen, die sich nur kurz konzentrieren können

Diese Gruppen von Menschen haben manchmal Probleme mit Texten in Standardsprache. Sie finden solche Texte zu schwer. Sie verstehen vieles nicht oder nicht genau. Das Lesen ist mühsam für sie.

 

Einfache Sprache macht ihnen das Lesen und das Leben leichter.

Durch Einfache Sprache haben einige Menschen mehr Möglichkeiten.

 

Mit Sprache umgehen, schreiben, lesen und Texte verstehen:

Wer das kann, kann selbstständig leben:

 

Er kann sich Information holen (zum Beispiel im Internet).

Er kann sich ausdrücken und nachfragen (zum Beispiel beim Arzt).

Er kann sich eine Meinung bilden und mitbestimmen (zum Beispiel bei politischen Wahlen).

Er kann sich mit anderen austauschen (zum Beispiel bei einem Elternabend).

Er kann seine Freizeit schön gestalten (zum Beispiel mit dem Lesen von Büchern).

 

Er muss nicht immer andere fragen und bitten. Er muss sich nicht so sehr auf andere verlassen.

Die Selbstständigkeit macht Menschen freier und zufriedener.

Dazu leistet die Einfache Sprache einen Beitrag.

 

Das bedeutet nicht, dass die Menschen nur einfache Texte lesen sollen. Auch, wenn Einfache Sprache hilfreich für sie ist.

Es ist gut, wenn man wählen kann:

Will ich möglichst nur Einfache Sprache lesen? Will ich hauptsächlich einfache Texte lesen? Will ich abwechselnd einfache und schwere Texte lesen? Will ich manchmal einen Text in beiden Formen lesen?

Kann ich durch viel Lesen von Einfacher Sprache jetzt besser lesen und mehr verstehen als früher? Traue ich es mir zu, jetzt öfter schwere Sprache zu lesen?

 

Es ist wichtig, dass es Einfache Sprache als Angebot gibt.

Einfache Sprache soll aber für niemanden ein Zwang sein.

 

 

2. Einfache Sprache kann für alle Leser angenehm und hilfreich sein.

 

Es gibt Texte, die auch geübten Lesern Mühe machen.

  • Das ist so bei Texten, für die man Fachwissen braucht.
    Wenn man dieses Wissen nicht hat, ist das Lesen schwer.

Für viele Menschen ist es zum Beispiel anstrengend, Formulare und Briefe vom Finanzamt zu lesen. Einfache Sprache kann vielen dabei helfen, solche Texte leichter und schneller zu verstehen.

 

  • Manchmal wünscht man sich zuerst einen Überblick. Man braucht nicht unbedingt alle Einzelheiten.

Dann ist es gut, wenn man wählen kann: Möchte ich hier Einfache Sprache oder Standardsprache lesen?

Das kann vorkommen, wenn man eine Ausstellung besucht.
Ich habe es im Museum selbst schon erlebt:
Auf den Tafeln mit den Erklärungen hat es beides gegeben: Standardsprache und Einfache Sprache.

Bei einigen Themen habe ich zuerst die Tafeln mit der Einfachen Sprache gelesen. Ich konnte sie schneller und mit weniger Mühe lesen.

Danach habe ich überlegt: Reicht mir diese Information? Oder möchte ich Genaueres wissen? Zum Teil habe ich dann noch den anderen Text gelesen. Manchmal habe ich den anderen Text weggelassen.

 

  • Vielen gefällt die äußere Gestaltung von Texten in Einfacher Sprache. 

Die Schrift ist eher groß. Es gibt häufig Absätze und immer wieder  Überschriften. Eine Seite ist nicht ganz vollgeschrieben. Sie hat auch weiße Stellen.

Das ist für die Augen angenehm. Das Lesen fällt leichter.

 

Ich hatte vor einiger Zeit ein Buch in der Hand. Das Thema hat mich interessiert. Aber ich habe das Buch schnell wieder weggelegt.

Die Schrift war klein. Es hat kaum Absätze gegeben. Die Seiten waren von oben bis unten vollgeschrieben. Das Lesen hat mich angestrengt und ich habe schnell die Lust verloren.

 

Noch etwas möchte ich erwähnen:

  • Einige geübte Leser lesen Texte in Einfacher Sprache, weil sie Freude daran haben.

Sie brauchen Einfache Sprache nicht. Aber sie mögen den Schreibstil oder den Inhalt. Oder beides.

 

Das führt uns zum nächsten Punkt:

 

3. Einfache Sprache ist verständlich und schön.

 

Vielleicht denken manche, dass verständliche Texte praktisch sind, aber nicht schön.

Man muss vieles beachten, man muss an die Leser denken, man konzentriert sich auf Verständlichkeit.
Geht es da überhaupt darum, schön zu schreiben? Kann so ein Text überhaupt schön sein? Fehlen da nicht die Vielfalt und die Feinheiten, mit denen man Texte schmücken kann?

Für mich gibt es verschiedene Arten von Schönheit in der Sprache.

Und eine Art von Schönheit finde ich in der Einfachheit: In der einfachen und klaren Ausdrucksweise. In der Aufmerksamkeit für das, was grundsätzlich und wesentlich ist. In der deutlichen und direkten Formulierung.

Das alles kann Einfache Sprache, das ist ihr besonderes Merkmal.

 

 

4. In Einfacher Sprache zu schreiben ist eine persönliche Herausforderung und eine reizvolle Aufgabe.

 

So geht es mir mit der Einfachen Sprache:

Ich schreibe gern und kann mich gut schriftlich ausdrücken. Wenn ich spontan schreibe, sind die Texte aber nicht in Einfacher Sprache.

Wenn ich in Einfacher Sprache schreiben möchte, muss ich mich bewusst dafür entscheiden. Ich muss dann noch gewissenhafter als sonst mit der Sprache umgehen.

Ich muss mich konzentrieren und genau nachdenken:

Welche Inhalte sind wichtig?

Wie drücke ich mich aus?

Welche Richtlinien muss ich beachten?

Nach dem ersten Schreiben muss ich mehr Textstellen überarbeiten als bei anderen Texten.

 

Ich möchte, dass meine Texte gleichzeitig einfach und gut sind. Das zu erreichen, ist manchmal viel Arbeit. Wenn es gelingt, bin ich zufrieden.

 

Außerdem habe ich Freude daran, unterschiedliche Texte in Einfacher Sprache zu schreiben:

Zum Beispiel

  • sachliche Texte mit Information zu einem bestimmten Thema
  • meine Meinung zu einem Thema
  • Erzählungen über persönliche Erlebnisse
  • Texte, die den Leser direkt ansprechen und ihn nachdenklich machen oder ermutigen wollen
  • Gedichte

 

 

5. Wenn Einfache Sprache bekannter wird, bekommt sie mehr Aufmerksamkeit. Das führt zu weiterer Entwicklung und Verbesserung.

 

Mein Eindruck ist: In letzter Zeit findet man immer mehr Texte in Einfacher Sprache.

Immer mehr Menschen beschäftigen sich mit verständlicher Sprache.

Immer mehr Menschen wollen Texte in Einfacher Sprache anbieten.

Sie haben gesehen: Viele andere verwenden auch schon solche Texte.

Sie haben gemerkt: Die Leser, die Kunden, die Patienten, die Bürger schätzen dieses Angebot.

 

Autoren schreiben in Einfacher Sprache.

Wissenschaftler forschen über Einfache Sprache.

Fachleute und Interessierte diskutieren über Einfache Sprache.

So kann man dieses Angebot mit der Zeit verbessern und verfeinern.

So schätzen und verbreiten immer mehr Leute Einfache Sprache.

 


 

Noch eine Anmerkung zum Schluss:

Manche Aussagen treffen auch auf die Leichte Sprache zu. Zwischen den beiden Sprachformen gibt es einige Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede. 

Ich beschäftige mich mehr mit der Einfachen Sprache und habe mich in diesem Artikel bewusst auf sie konzentriert. 

 


 

5 Gründe, in Einfacher Sprache zu schreiben: In diesem Artikel habe ich von meinen Gründen berichtet.

Vielleicht finden einige Leser noch andere Gründe?

Ich freue mich über Ergänzungen, Kommentare und Austausch.

 

 

 

[Beitragsbild von Studio32 (über pixabay)]