22.01.2017

 

Ein Winterabend. Draußen ist es dunkel und kalt.

 

Eva ist ins Bett gegangen. Sie genießt es, in einem warmen Bett zu liegen.
Eva denkt an ein Erlebnis, das sie heute in der Kälte hatte:

 

Sie ist jemandem begegnet, mit dem sie nicht viel gemeinsam hat. Doch die wenigen Minuten waren gut für beide: Für Eva und für den Mann, den sie getroffen hat.

 

So geht die ganze Geschichte:

Eva hat im Supermarkt eingekauft. Zwischen der Kasse und der Ausgangstür gibt es eine kleine Bäckerei. Hier kann man auch Kaffee trinken.

 

Kaffeeduft steigt Eva in die Nase. Mmmh, das riecht fein!
Eva beschließt: ‚Ich mache hier kurz Pause und trinke eine Tasse Kaffee.‘

 

Sie setzt sich an einen Tisch am Fenster und schaut auf den Parkplatz hinaus.
Neben dem kleinen Häuschen mit den Einkaufswagen sieht sie einen Mann. Er sitzt auf einem Kissen. Vor ihm steht ein Becher. Der Mann ist Bettler.

 

Er hat eine dicke Jacke an. Die braucht er auch, denn es ist ein kalter Tag.

Eva denkt: ‚Der Mann friert bestimmt. Nur das Kissen ist zwischen ihm und dem Boden. Er trägt keine Handschuhe, keinen Schal, keine Mütze. Seine Schuhe sind zu dünn für dieses Wetter.‘

 

Langsam trinkt Eva ihren heißen Kaffee. Sie kann sich so ein Leben gar nicht vorstellen. Immer draußen sein. Auf der Straße leben. Die Kälte aushalten. Da sitzen und warten, ob man ein bisschen Geld bekommt.

 

Eva ist froh, dass sie eine warme Wohnung hat. Sie will dem Mann nachher etwas Geld geben.

Doch dann hat sie eine andere Idee.
Sie hat ihren Kaffee ausgetrunken. Sie steht auf und geht auf den Parkplatz hinaus. Sie geht auf den Bettler zu.

 

Für einen kurzen Augenblick fühlt sie sich ein wenig unsicher. Aber sie spricht den Mann an:
„Hallo, ich würde Sie gern auf einen Kaffee oder einen Tee einladen. Darf ich Ihnen ein Getränk bringen?“
Der Mann hebt den Kopf. Er sieht überrascht aus. Und ein bisschen erfreut.
„Ja… Das ist… ja, danke. Das ist nett von Ihnen“, sagt er.
„Was möchten Sie denn trinken?“
„Gerne einen Kaffee…“

 

“Ich hole Ihnen einen Kaffee. Bin gleich wieder da.“

Eva geht zurück und kauft einen Becher Kaffee zum Mitnehmen. Dampf steigt aus dem heißen Getränk auf. Eva gibt dem Mann den Becher.

 

Sie sagt: „Das tut gut bei dieser Kälte.“
„Ja“, antwortet der Mann. „Heute ist es sehr kalt. Da ist ein heißer Kaffee gut. Ja… Ich danke Ihnen.“
Der Mann lächelt Eva kurz an. Er hält den Becher mit beiden Händen fest. So kann er seine kalten Finger wärmen.

 

Eva spricht noch ein paar Sätze mit dem Mann. Über das Wetter. Und darüber, dass der Kaffee noch zu heiß zum Trinken ist.

Zum Abschied wünschen sich beide einen schönen Tag.

 

Eva geht zu ihrem Auto. Sie hat ein Lächeln auf den Lippen.
Irgendwie fühlt sich der kalte Tag jetzt ein bisschen warm an.

 

 

[Beitrags-Bild von WorldpressPictures (über pixabay)]