22.06.2020

 

Fast 10 gemeinsame Jahre. Das ist viel Lebenszeit. Das sind viele gemeinsame Erlebnisse.
Viele gefahrene Kilometer. Fast 10 Jahre hat dieses Auto mir gehört. Jetzt ist es 19 Jahre alt. Ich habe es vor Kurzem verkauft.
Ich habe mir ein neues Auto gekauft. Darüber freue ich mich. Das neue Auto passt zu mir.

Aber auch das alte Auto hat zu mir gepasst. Ich habe es gern gehabt.
Ja, klar ist ein Auto nur ein “Ding”. Es ist ein Fahrzeug, das mir nützt. Es ist dazu da, mir den Alltag leichter zu machen.
Und trotzdem: Die gemeinsamen Jahre verbinden mich mit meinem Auto. Meistens hat es treu und zuverlässig funktioniert.

Ich bin dankbar für diese Zeit. Ich bin dankbar, dass ich in den ganzen Jahren keinen Unfall hatte.
Pannen hat es schon gegeben. Eine davon sogar auf der Autobahn. Das war aufregend. Ich war alleine unterwegs und habe an einer Raststation gehalten. Ich habe einen LKW-Fahrer um Rat gefragt. Schließlich bin ich ziemlich langsam nach Hause gefahren. Nur auf der rechten Spur, ohne Überholen. Zum Glück ist alles gutgegangen. Das Auto konnte repariert werden.
Auch andere Reparaturen hat es gegeben. Und mit der Zeit Spuren des Alters.
Ein einziges Mal habe ich mein Warndreieck ausgepackt, weil ich als Erste zu einem Unfall gekommen bin. Es hat laut gekracht, aber zum Glück hat es nur einen Blechschaden gegeben. Trotzdem habe ich gezittert.

An was erinnere ich mich sonst?
Mein Sohn ist jetzt 12 Jahre alt. In den ersten Jahren mit diesem Auto sind wir jeden Tag zum Kindergarten gefahren. Jeden Tag  dieselbe Strecke – hin und zurück. Später dann Fahrten zur Schule oder zur Schulbushaltestelle. Fahrten zum Kinderturnen und zur Musikschule.
Fahrten zur Arbeit. Einkaufsfahrten. Fahrten zum Arzt, zum Bahnhof, zur Kirche, zu Freunden, zu Seminaren.
Es war kein Auto für weitere Strecken, nicht geeignet für längere Urlaubsfahrten. Die machen wir entweder mit dem Zug oder mit dem Auto meines Mannes.

Es gab Stille in diesem Auto, und es gab Gespräche.
Im Handschuhfach war meistens eine Packung mit Zitronenbonbons. Wenn mein Sohn mit mir gefahren ist, war meist die erste Frage: Kann ich mir ein Zitronenbonbon nehmen?
(Diese Bonbons sind jetzt ins neue Auto umgezogen.)

Das alte Auto hatte keine Sitzheizung, kein eingebautes Navi. Nicht einmal einen CD-Player. Dafür noch ein Kassettenfach! Und ein Autoradio.
Beim Autofahren höre ich gern Radio. Vor allem dann, wenn ich alleine unterwegs bin. Zu Hause habe ich das Radio nur selten eingeschaltet.

Als das alte Auto abgeholt wurde, gab es ein paar wehmütige Momente. Mein dunkelgrüner Mazda. Mein “Heinzi”. (Ja, er hatte sogar einen Namen…)
Ich bin froh, dass ich dich hatte. Danke, Heinzi, für die gemeinsame Zeit! Mach’ s gut!