08.09.2017

 

Dieser Beitrag gehört zu einer Interview-Reihe. Ich habe meine Leser und Leserinnen gefragt:

Wer möchte mir Fragen zum Thema “Heimat” beantworten? 
Einige haben sich gemeldet.

 

Sabine lebt schon lange in Oberbayern.

Ihre Eltern haben an anderen Orten gelebt.

Die Kinder von Sabine sind erwachsen, und zwei von ihnen leben heute auch an anderen Orten.

Wie beantwortet Sabine die Frage nach ihrer Heimat?

 

[Ein Hinweis: Ein unterstrichenes Wort mit Sternchen* bedeutet: Am Ende vom Text steht zu diesem Wort eine Erklärung.]

 

 

Sabine, wo hast du früher gelebt?

Wo lebst du jetzt?

 

 

Ich bin in der früheren DDR* aufgewachsen.

Meine ersten Jahre habe ich in Erfurt verbracht – das ist heute die Landeshauptstadt von Thüringen.

Danach sind meine Eltern mit mir und meiner Schwester nach Sachsen gezogen, in die Stadt Chemnitz.

Seit 1994 lebe ich im schönen Oberbayern in der Nähe von Bad Tölz.

 

 

 

Wo ist deine Heimat?

(Denkst du, dass man nur eine Heimat haben kann? Oder kann man mehr als eine Heimat haben?)

 

 

Diese Frage ist für mich sehr schwer zu beantworten. Oft fühle ich mich heimatlos, nicht richtig dazugehörig.

Vielleicht ist Heimat ein Ort in mir selber.

Ich fühle mich mit der wunderschönen Landschaft in Oberbayern verbunden. Hier ist meine Wahlheimat. Hier möchte ich gerne bleiben.

2014 habe ich meine Geburtsstadt Erfurt besucht. Vieles war mir sehr vertraut und ich habe mich wohl gefühlt.

In Chemnitz gibt es viele mir vertraute Plätze nicht mehr.

Ich denke, dass man mehr als eine Heimat haben kann. Mit meiner Geburtsstadt bin ich verbunden, leben möchte ich in Oberbayern.

 

 

 

Welches Bild oder Geräusch, welcher Geruch oder Geschmack erinnert dich an deine Heimat?

 

 

In Erfurt sind es: Die wunderschöne Altstadt mit dem Erfurter Dom, der Steigerwald und die große Erfurter Gartenausstellung.

In Chemnitz waren es die Hausmeisterwohnung meiner Großeltern im Schlossberg-Museum und der große Garten. Beides gibt es heute nicht mehr.  Dafür gibt es noch leckere sächsische Kuchen: Eierschecke und Kirmeskuchen.

In Oberbayern sind es die Berge, die Flüsse aus den Bergen und die Seen – überhaupt die wunderschöne Natur.

 

 

 

Kann man aus der Ferne mit der Heimat verbunden bleiben?

 

 

Im Herzen bleibe ich immer verbunden. Da gibt es so viele schöne Erinnerungen.

Zum Beispiel die Erinnerung an den Garten meiner Großeltern:

Ich liege in der Hängematte und über mir scheint die Sonne durch die Blätter. Immer wenn Sonne irgendwo durch die Blätter scheint, denke ich an den Garten meiner Kindheit.

 

 

 

Vermisst du jemanden oder etwas aus deiner alten Heimat?

 

 

Ich vermisse meinen Vati und meine Großeltern, die gestorben sind.

Ich vermisse die Orte meiner Kindheit, wo ich unbeschwert spielen konnte.

Ebenso vermisse ich die früheren Freunde. Manche sind mir im Laufe der Jahre fremd geworden.

 

 

 

Wenn du wieder in deine alte Heimat zurückgehen würdest:

Was würdest du dann vermissen von dem Ort, an dem du jetzt lebst? Würde dir etwas fehlen von deinem Leben, wie es jetzt ist?

 

 

Mir würden die wunderschönen Berge und Seen fehlen. Ebenso der Wald, in dem ich jeden Tag spazieren gehe.

Ich würde auch einige wunderbare Menschen hier vermissen.

 

 

 

Hast du Heimweh? Oder hast du ein anderes Gefühl, wenn du an deine Heimat denkst?

 

 

Ich habe oft das Gefühl, dass ich nirgends richtig dazugehöre. An manchen Tagen habe ich eine große Sehnsucht in mir, endlich anzukommen.

Seit unsere großen Kinder in anderen Bundesländern (Hessen und Nordrhein-Westfalen) leben, fühle ich das noch mehr.

 

 

 

Möchtest du noch etwas zum Thema Heimat sagen?

 

 

Ich hoffe, eines Tages Heimat in mir selber zu finden – unabhängig von einem Ort.

 

 


 

Erklärung zum Text:

DDR

Deutschland ist heute ein großes Land.
Aber Deutschland war lange in 2 Teile geteilt: In Ost-Deutschland und in West-Deutschland.
Ein anderer Name für Ost-Deutschland war DDR (Deutsche Demokratische Republik).
Ein anderer Name für West-Deutschland war BRD (Bundesrepublik Deutschland).

Zwischen den beiden Teilen von Deutschland hat es eine Grenze gegeben. Die Grenze war streng bewacht. In der Stadt Berlin war diese Grenze eine Mauer.

Wer im Osten gewohnt hat, durfte nicht einfach in den Westen reisen. Er durfte auch nicht einfach in den Westen umziehen.
Diese Grenze hat es 28 Jahre lang gegeben. Viele Menschen waren mit der Grenze nicht einverstanden.

1989 hat man die Grenze zwischen Ost und West wieder geöffnet. 
Einige Monate später hat man aus den zwei Teilen von Deutschland wieder ein Land gemacht. So ist es bis heute.
 

 

 

[Das Beitragsbild ist von Sabine.

Das Bild zeigt den Blick vom Jachberg auf den Walchensee.]