14.01.2017

 

Vor wenigen Tagen habe ich einen Artikel über Kinder gelesen.

In dem Artikel steht:  Kinder sollen freie Zeit haben. Zeit ohne vorgegebenes Programm.

Kinder sollen nicht ständig Termine haben.

Sie brauchen ab und zu Langeweile.

 

Wenn Kinder unverplante Zeit haben, kommen sie sich selbst näher.

Sie brauchen Zeit, die sie selbst füllen müssen.

 

Manchmal ist Kindern zuerst langweilig. Sie wissen nicht, was sie tun sollen.

Aber dann fangen sie etwas an. Sie haben eine Idee und folgen ihr. Sie probieren etwas aus. Sie versuchen etwas Neues.

 

Langeweile und freie Zeit führen Kinder zu mehr Kreativität und Selbstständigkeit.

 

Ich bin sicher: Nicht nur Kindern tut das gut. Das tut auch Erwachsenen gut.

Auch mir.

 

Ich möchte Langeweile haben.

Langeweile in diesem Sinn: Lange Zeit haben. Lange freie Zeit.

Zeit ohne Termine und Programm.

 

So eine Langeweile fehlt mir.

 

Ich habe freie Zeit, ja. Ein paar Stunden hier, ein paar Stunden da.

Ich nehme mir kleine Pausen im Alltag. Im Urlaub sind die freien Zeiten etwas länger.

 

Aber ich meine jetzt nicht die „normale Freizeit“.

Normale Freizeit ist Zeit zwischendurch. Mal kürzer und mal länger.

 

Manchmal muss ich die Uhr im Auge behalten, weil ich danach pünktlich irgendwo sein muss.

Oder ich weiß: Ich nehme mir heute Zeit für etwas Schönes. Aber vorher muss ich noch etwas erledigen. Und zu lang darf es nicht dauern, weil ich nachher rechtzeitig ins Bett muss. Denn morgen muss ich früh aufstehen.

 

Diese Art von Freizeit ist schöne Zeit, wichtige Zeit. Aber sie ist meistens deutlich begrenzt.

Ich kann sie genießen, aber ich kann mich nicht so richtig hineinsinken lassen. Dafür ist diese Zeit zu kurz.

 

Was ich meine:

Ich möchte Freizeit mit Langeweile haben.

Lange leere freie Zeit.

 

Leere Zeit, leerer Kopf.

Keine Pflicht, kein Druck.

Zeit, in der ich nichts muss.

 

Zeit, in der das Vorher und das Nachher weit weg sind.

Zeit, in der die unerledigten Sachen nicht wichtig sind.

Zeit, die ich einfach für mich habe.

Zeit, die ich aus dem Moment heraus gestalten kann.

 

Zeit, die vor mir liegt wie ein langer Weg.  Ein Weg, der nicht schon nach einer halben Stunde zu Ende ist.

 

Ganz bestimmt ist das auch für Erwachsene eine wertvolle Erfahrung. Nicht nur für Kinder.

Auch Erwachsene kommen sich auf diese Weise selbst näher.

Wenn sie nicht jede „freie“ Minute nützlich, geplant und sinnvoll verwenden.

 

Wenn sie erst einmal nichts tun können.

Wenn sie trödeln können. Gemütlich in die Langeweile-Zeit hineingleiten.

Nicht auf die Uhr schauen.

 

Warten, was ihnen in den Sinn kommt.

Sich fragen, auf was sie momentan Lust haben.

Oder einfach mit irgendetwas beginnen.

 

Wenn sie mögen: Bei einer Sache bleiben, ganz ausführlich und ungestört.

Wenn nicht: mal dies und mal das machen.

 

Und wenn es dann irgendwann genug ist: Gestärkt und  langsam wieder zurückkommen in den Alltag.

Zurück in den Alltag mit seiner Uhr und mit seinen Pflichten.

In den Alltag mit seiner verplanten und begrenzten Zeit.

 

Ich mache mich auf die Suche.

Auf die Suche nach so einer langen leeren freien Zeit.

Bist du dabei? 🙂

 

 

[Beitrags-Bild über pixabay (PublicDomainPictures)]