20.11.2016

 

Vor Kurzem habe ich die Frage gelesen: Was hast du von deinen Großeltern gelernt?

Ich habe die Frage interessant gefunden. Meine Großeltern leben nicht mehr. Aber an zwei Omas und einen Opa kann ich mich gut erinnern. (Der andere Opa ist gestorben, als ich sehr klein war.)

 

Ich habe gemerkt: Es ist gar nicht leicht, die Frage zu beantworten.

Ich kann viel über meine Großeltern erzählen. Ich habe viele Erinnerungen an sie. Aber was habe ich von ihnen gelernt?

 

Um die Frage zu beantworten, habe ich mir eine von meinen Omas ausgesucht: Die Mutter von meiner Mutter.

Sie war freundlich und herzlich. Sie war meistens gut gelaunt. Sie war gern mit Menschen zusammen.

Ich habe nachgedacht: Was hat sie mir beigebracht? Was weiß oder kann ich durch sie?

 

Bestimmt hat sie mir viele Fragen beantwortet. Bestimmt hat sie mir vieles gezeigt. Ich habe die meisten kleinen Dinge vergessen.

Aber mir sind drei Dinge eingefallen. Die habe ich von meiner Oma gelernt:

 

  • Das Akkordeon-Spielen

 

Meine Oma war musikalisch. Sie hat gern gesungen. Sie konnte Klavier, Akkordeon und Flöte spielen. Sie hatte mehrere Schüler, denen sie das Akkordeon-Spielen beigebracht hat. Auch mir.

 

Wer ein Instrument gelernt hat, hat etwas Wertvolles gelernt.

Ich spiele schon lange nicht mehr Akkordeon. Mein altes Akkordeon ist auch sehr klein.

Doch der Klang von diesem Instrument gefällt mir noch immer. Einfache Melodien könnte ich noch spielen: Kinderlieder oder Volkslieder.

Vielleicht fange ich irgendwann wieder an mit dem Akkordeon-Spielen.

 

  • Ein paar Lieder und Sprüche im Siebenbürger Dialekt

 

Wir haben alle in Salzburg (Österreich) gewohnt. Ich bin dort geboren.

 

Meine Oma war Siebenbürger Sächsin. Sie ist in Siebenbürgen geboren. Das liegt in Rumänien. Die Siebenbürger Sachsen sind eine deutsche Volksgruppe. Der Dialekt von meiner Oma war also ein deutscher Dialekt.

 

Meine Großeltern haben diesen Dialekt miteinander gesprochen. Mit ihren Kindern und Enkelkindern haben sie Hochdeutsch gesprochen. Aber ein paar Lieder und Sprüche hat Oma meiner Schwester und mir beigebracht.

 

Wenn wir sie nachgesungen oder nachgesprochen haben, hat man gehört: Das ist nicht unsere Muttersprache. Wir hatten einen Akzent. Das hat meine Oma lustig gefunden.

 

Ich finde es schön, dass sie uns ein paar Sätze beigebracht hat. Auch wenn ich den Siebenbürger Dialekt nicht wirklich sprechen kann, ist mir der Klang vertraut. In meiner Kindheit habe ich ihn öfter gehört. Meistens von älteren Verwandten. Dieser Dialekt ist ein Teil von unserer Familien-Geschichte.

 

  • Ein Kochrezept

 

Ich habe es notiert unter dem Namen: Kartoffel-Topfen-Plätzchen.

Topfen sagt man in Österreich zu Quark.

Statt Plätzchen kann man auch Laibchen, Laberl, Bratlinge oder Buletten sagen. (Es gibt noch mehr Bezeichnungen in verschiedenen Gegenden.)

 

Der Teig besteht aus Kartoffeln, Topfen, Mehl, Ei, Zwiebeln und Salz.  Man formt ihn zu Plätzchen. Diese brät man dann in der Pfanne.

Verschiedene Beilagen sind möglich. Zum Beispiel Tomatensoße und Salat. Ich mag die Plätzchen gern mit Apfelmus.

 

Diese Speise habe ich oft und gern bei meiner Oma gegessen. Irgendwann hat sie mir das Rezept gegeben. Ab und zu mache ich diese Plätzchen. Und denke dabei an Oma.

 

 

Akkordeon-Spielen, siebenbürgische Lieder und ein Kochrezept: Diese Dinge verbinden mich mit meiner Oma.

Auch sonst habe ich viele gute Erinnerungen an sie.

Ich habe mich immer willkommen gefühlt bei meiner Oma und bei meinem Opa.

 

Vor neun Jahren ist Oma gestorben. Es ist schön, dass ich sie so lange hatte.

Wenn ich ihr erzählen könnte, dass ich hier über sie schreibe: Das würde ihr gefallen.

 


 

Fällt dir eine Antwort ein auf die Frage: Was hast du von deinen Großeltern gelernt?

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[Beitrags-Bild von FeeLoona (über pixabay)]